Überraschende Wahrheiten über das ICAN G25 SL aus den Testberichten von The Cycle Workshop
Jahrelang haftete dem Begriff „chinesisches Carbon“ Skepsis an – ein riskantes Unterfangen, bei dem man Zuverlässigkeit für einen niedrigeren Preis opferte. Doch das ursprüngliche ICAN G25 räumte mit diesem Vorurteil auf. Es erfreute sich aufgrund seiner Kombination aus Langlebigkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis so großer Beliebtheit, dass ICAN mit der Produktion kaum hinterherkam. Nun hat das Unternehmen diesen Kultklassiker durch die „SL“-Version ersetzt, die laut Herstellerangaben leichter, stabiler und robuster sein soll – und das zum gleichen Preis von 670 US-Dollar (490 Pfund).
Der britische Radsportkanal „Cycle Workshop“ hat einen ausführlichen Test des ICAN Gravelbikes durchgeführt. G25SL LaufradsatzDazu gehörte auch, dass ICAN Felge und Nabe „zerlegte“, um ihre Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und zu beweisen, dass der G25SL alles andere als ein gewöhnlicher Einsteiger-Laufradsatz ist.
Ingenieurskunst schlägt „Falkenflügel“-Marketing
Die überwiegende Mehrheit der Carbonlaufräder in dieser Preisklasse wird nicht von Ingenieuren, sondern von cleveren Marketingteams entwickelt, die über „Keramiklager“ oder „Felgenprofile, die vom Flügel eines Wanderfalken inspiriert sind“ sprechen wollen. Das G25 SL ist eine erfrischende Abkehr von diesem aufgeblasenen Gerede.
Bei meiner Begutachtung betrachtete ich einen Felgenquerschnitt. ICAN verwendet ein speziell entwickeltes Carbon-Layup mit hochwertigem Toray T700 Carbon. In Bereichen mit geringer Belastung, wie den Seitenwänden, ist das Carbon dünn, um Gewicht zu sparen. In stark beanspruchten Bereichen wie dem Felgenbett, den Speichenhaken und insbesondere dem Speichenbett sind die Lagen jedoch deutlich dicker. Ein verstärktes Speichenbett in dieser Preisklasse ist ungewöhnlich und ein klares Zeichen dafür, dass die Entwickler der strukturellen Integrität Vorrang vor Marketing-Floskeln eingeräumt haben.

Ein Herz aus Titan mit einem gewissen Wartungsaufwand
Die D91-Nabe ist eine komplette Neuentwicklung. Während die meisten Hersteller das DT Swiss Sternratschensystem einfach kopieren, hat ICAN es modifiziert. Sie vergrößerten die Ratschenfläche deutlich, um den Verschleiß zu reduzieren, und vereinfachten den Mechanismus, indem sie eine Hälfte der Ratsche direkt in den Freilaufkörper integrierten. Zusätzlich wurden passgenaue Endkappen mit Gummi-O-Ringen angebracht, um die hochwertigen S&S-Lager vor Witterungseinflüssen zu schützen – ein kleines Detail, das später viel Ärger erspart.
Der eigentliche Clou ist jedoch das Material: Titan. Die meisten Naben in dieser Preisklasse bestehen aus weichem Aluminium, das für das sogenannte „Kassettenklemmen“ bekannt ist – dabei graben sich die Stahlritzel in die Verzahnung ein, sodass die Kassette kaum noch zu entfernen ist. Titan ist robuster, verhindert dieses Klemmen und korrodiert nicht. Beim Zerlegen der Nabe wurde deutlich, dass der Entwickler dem Kunden „Verbesserungen geboten hat, deren Notwendigkeit er wahrscheinlich selbst gar nicht erkannt hatte“.
Es gibt jedoch einen Haken: Da ICAN von einem Standarddesign abgerückt ist, sind die Innenteile nicht mehr mit handelsüblichen DT Swiss-Komponenten kompatibel. Obwohl das Titan extrem lange halten sollte, müssen Sie sich bei Verschleiß an ICAN wenden, um Ersatzteile zu erhalten, anstatt Ihren lokalen Fahrradhändler zu besuchen.

Der seltene Fall, dass beim Gewicht zu wenig versprochen wurde.
In einer Branche, in der optimistische Gewichtsangaben üblich sind, stellt das G25 SL eine statistische Ausnahme dar. Normalerweise ist ein geliefertes Laufrad 50 g schwerer als auf der Website angegeben. Hier die tatsächlichen Werte auf meiner Werkstattwaage:
* Originalgewicht der G25: 1498 g
* ICANs angegebenes SL-Gewicht: ~1350 g
* Tatsächlich gemessenes SL-Gewicht: 1321 g
Einen Laufradsatz zu finden, der fast 30 Gramm leichter ist als vom Hersteller angegeben, ist nahezu unmöglich. Ein 1321 g leichter Gravel-Laufradsatz für 670 Dollar deutet auf einen extrem präzisen und kontrollierten Fertigungsprozess hin.

Präzision, die auf „rollende Roboter“ hindeutet
Als ich die Laufräder in den Zentrierständer einspannte, waren die Ergebnisse verblüffend. Der Seitenschlag des Vorderrads betrug lediglich 0.1 mm. Zum Vergleich: 0.3 mm gelten als „hervorragend“, und 0.1 mm ist die Präzision, die man von einem 3,000-Dollar-Laufradsatz erwartet.
Es war nicht nur der Seitenschlag; auch der Rundlauf und die Speichenspannung waren „unglaublich gut“. Den Laufrädern lag sogar ein computergenerierter Spannungsausdruck bei. Diese Präzision lässt mich vermuten, dass diese Laufräder gar nicht von einem Menschen, sondern von einem „Laufradroboter“ gefertigt wurden. Ob Maschine oder Meister – das Ergebnis ist eine Rundlaufgenauigkeit, die eine bessere Kraftübertragung und eine deutlich längere Lebensdauer der Speichen garantiert.

Zusammenfassen:
Kein Produkt ist perfekt, und wenn ich kritisch sein soll, hat ICANs budgetorientierter Ansatz einige Nachteile: Ersatzspeichen und Bremsscheiben-Sicherungsringe sind nicht im Lieferumfang enthalten – Teile, die die meisten anderen Marken beilegen. Diese müssen Sie selbst besorgen.
Wenn Sie außerdem das G25 SL von ICANs EU or US-LagerSie erhalten kostenlosen Versand und keine Steuern, und die Lieferzeit wird im Vergleich zum Versand ab Werk in China deutlich verkürzt.
Der „Wert“ liegt hier jedoch nicht nur im Preis, sondern vor allem in der durchdachten Konstruktion. Das wirft für den Fahrer eine Frage auf: Will er eine Hightech-Marketingstory oder eine Zuverlässigkeit, auf die er sich auch in fünf Jahren noch verlassen kann?
