Für ambitionierte Gravel-Fahrer ist die CO₂-Abgabe seit Langem ein bitterer Beigeschmack. Es ist frustrierend, bei einem UCI-Weltcup-Rennen wie dem Wish One am Start zu stehen und schon vor dem neutralen Start festzustellen, dass die schweren Aluminiumfelgen einen benachteiligen. Jahrelang galt in der Branche die Devise: Wer Laufräder unter 1400 g mit einem 50-mm-Aeroprofil wollte, musste drei Monatsmieten an eine europäische Boutique-Marke zahlen.

Doch die Marktmechanismen verändern sich. Nach zweijährigen Härtetests von Laufradsätzen der Firma ICAN – einem chinesischen Hersteller, der sich still und leise ein solides Logistiknetzwerk in Europa aufgebaut hat – ist klar, dass die Hürde für professionelle Leistung gefallen ist. ICAN G25 SL stellt einen „Markenkiller“ dar, nicht nur wegen seines Preises, sondern auch wegen der gebotenen technischen Transparenz. Europäische Lager Dank der nun möglichen Lieferzeit von vier bis fünf Tagen gehören die alten Befürchtungen hinsichtlich Zollproblemen und monatelanger Lieferzeiten offiziell der Vergangenheit an.
Dies ist das Originalvideo des französischen Kanals Augustin Rides, in dem die ICAN Gravel-Laufradsätze G25 und G25SL verglichen werden:
Der „Fliegende-Teppich“-Effekt: Geometrie statt Hype
Der Wechsel von schmalen Aluminiumfelgen zu einem 50-mm-Carbonprofil dient nicht nur der Aerodynamik, sondern auch der Stabilität des Reifens. Der G25 SL hat eine Innenbreite von 25 mm und eine Außenbreite von 31.3 mm. Technisch ausgedrückt: Der Reifen sitzt dadurch breiter, was das Luftvolumen und die Seitenstabilität erhöht. Dank dieser Geometrie können Fahrer mit niedrigerem Reifendruck fahren, ohne dass der Reifen in Kurven verrutscht.
Das Ergebnis ist ein von Feldtestern beschriebenes Gefühl, das an einen „fliegenden Teppich“ erinnert – eine deutliche Reduzierung hochfrequenter Vibrationen und die Fähigkeit, über Steine zu gleiten, anstatt von ihnen abzuprallen. Daten aus 24 Monaten Testzeit zeigen eine konstante Geschwindigkeitssteigerung von etwa 2 km/h im Vergleich zu ähnlichen Fahrzeugen mit Leichtmetallfelgen, was hauptsächlich auf die verbesserte Schwungerhaltung zurückzuführen ist.
„Als ich diese Carbonlaufräder an meinem Gravelbike montierte, hätte ich fast geweint, so beeindruckend war der Unterschied. Es verändert das Bike sofort: Man gewinnt an Geschwindigkeit, reagiert besser und hat dieses Gefühl, als würde man über den Boden gleiten.“ – Testbericht G25 SL

Rotationsinertie: Warum die 410 g Felge wichtig ist
Das Gesamtgewicht des Laufradsatzes von 1350 g sorgt zwar für Aufsehen, doch die eigentliche Sensation ist das Felgengewicht. Mit nur 410 g pro Felge erreicht das G25 SL ein Verhältnis von Gewicht zu Felgenhöhe, das bisher ausschließlich im absoluten High-End-Segment zu finden war.
Eine Gewichtsersparnis von 200 g gegenüber einem Standard-Carbon-Laufradsatz betrifft nicht nur das Gewicht, sondern auch die Wendigkeit des Fahrrads. Eine leichtere Felge verändert die Resonanz des Laufrads, was zu einer besseren Vibrationsdämpfung und einem direkteren Ansprechverhalten beim Herausbeschleunigen aus Kurven oder beim Bergauffahren führt.
Gewichtsprofil des G25 SL:
Gesamtgewicht des Laufradsatzes: 1350 g
Einzelgewicht der Felge: 410 g
Gewichtsreduzierung (SL vs. Standard): 200 g kritische Rotationsmasse.

Boutique-Engineering und der „eingehängte“ Vorteil
Zur Freude vieler leistungsorientierter Fahrer setzt ICAN weiterhin auf das Hakenfelgen-Design. Obwohl die Branche aus Kostengründen zunehmend auf hakenlose Felgen setzt, bleiben Hakenfelgen die sicherere und vielseitigere Wahl, da sie Reifenplatzer durch Bedienungsfehler oder Druckschwankungen verhindern.
Die Komponentenliste liest sich wie eine „Best-of“-Zusammenstellung im Laufradbau:
Sapim CX Ray Speichen
Der Stahlstandard für hochwertige Konstruktionen, kombiniert mit „Secure Lock“-Nippeln zur Vermeidung von Spannungsverlust.

D91 Hub-Architektur
Diese eigens entwickelte Nabe nutzt ein 45-Zahn-Sternratschensystem – eine bewährte und zuverlässige Technologie, die nun verfügbar ist, da bestimmte Industriepatente ausgelaufen sind. Das Nabengehäuse ist gewichtsoptimiert gefertigt und verfügt dennoch über einen Stahl-Beißschutz am Freilaufkörper, um Beschädigungen der Kassette zu verhindern.

Lagerintegrität
Die präzise Bearbeitung der Nabenkörper gewährleistet eine spielfreie Lagerintegrität auch ohne manuelle Vorspannung.
Asymmetrisches Bohren
Die Felgen verfügen über versetzte oder „Zickzack“-Speichenbohrungen. Dies optimiert den Speicheneinstellwinkel und gleicht die Speichenspannung zwischen Antriebs- und Nichtantriebsseite aus, was zu einer steiferen und haltbareren Konstruktion führt.
Hinweis des Journalisten: Die Konstruktion ist zwar solide, Käufer, die das europäische Lager nutzen, sollten jedoch eine Einschränkung beachten: Derzeit sind nur Shimano HG- und SRAM XDR-Freilaufkörper verfügbar. Wer eine 12-fach Shimano MTB-Kassette mit Micro Spline-Anschluss verwenden möchte, muss diese wahrscheinlich direkt beim Hersteller bestellen.

Das versteckte Sicherheitsmerkmal: Kompressionsventile
Eines der wichtigsten Merkmale des G25 SL wird gleichzeitig am leichtesten übersehen: die Dekompressions- und Entwässerungsöffnungen. Carbonfelgen sind Hohlstrukturen; wenn das Felgenband durch Verschleiß oder Hitze beschädigt wird, kann Luft in den Felgenhohlraum eindringen. Ohne Entlüftungsöffnungen kann dieser Druck die Carbonstruktur katastrophal zerstören.
Profi-Tipp: Kaufen Sie niemals Carbonlaufräder ohne diese Entwässerungs-/Druckentlastungslöcher. Um die Funktionsfähigkeit dieses Systems zu erhalten, befolgen Sie außerdem den Industriestandard (wie von DT Swiss empfohlen) und wechseln Sie Ihr Felgenband alle sechs Monate.

Das Zuverlässigkeitsurteil nach zwei Jahren: Realität oder Stigma?
Um das Vorurteil gegenüber „billigem chinesischem Carbon“ zu widerlegen, unterzogen wir den Vorgänger dieses Laufradsatzes einem zweijährigen Härtetest. Dabei handelte es sich nicht um eine Laborsimulation, sondern um Weltcup-Gravelrennen, schwer beladene Bikepacking-Touren durch die rauen schottischen Highlands und den beschwerlichen Anstieg zum Rocamadour. Selbst die täglichen Belastungen im Arbeitsweg, inklusive Bordsteinüberfahrten mit voll beladenen Gepäckträgern, überstand der Laufradsatz problemlos.
Die Daten nach Tausenden von Kilometern:
Speichenspannung: Null Verlust; die Räder blieben perfekt rund ("sans voile").
Haltbarkeit der Nabe: Absolut kein Lagerspiel, trotz wiederholter Einwirkung von Schlamm und Hochdruckreinigung.
Stoßfestigkeit: Mehrfache Stöße gegen die Kante von Felsen führten zu keinerlei strukturellen Schäden.

Fazit: Daten vs. Markenloyalität
Vergleicht man den Preis des ICAN G25 SL von 750 € mit den über 2000 € teurer Modelle „innovativer“ europäischer Marken, wird das Preis-Leistungs-Verhältnis schnell deutlich. Zwar bieten Premiummarken mitunter breitere Aerodynamikprofile (bis zu 38 oder 40 mm Außendurchmesser), doch rechtfertigen die geringen Vorteile für den vernünftigen Käufer selten einen Aufpreis von 1300 €.
In einer Zeit, in der ein „Budget“-Laufradsatz einen zweijährigen Weltmeisterschafts-Härtetest übersteht, ist es da noch sinnvoll, für ein europäisches Logo zu bezahlen?
